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Börse in Peru stürzt ins Bodenlose (Politik, International, NZZ Online)

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7. Juni 2011, 06:38, NZZ Online

Keiko Fujimori gesteht ihre Niederlage ein. (Bild: Reuters)Zoom

Keiko Fujimori gesteht ihre Niederlage ein. (Bild: Reuters)

(sda/dpa) Die in der Stichwahl um das peruanische Präsidentenamt an dem Linksnationalisten Ollanta Humala gescheiterte konservative Keiko Fujimori hat ihre Niederlage eingestanden.

«Ich stelle mich dem Sieg Ollanta Humalas. Ich erkenne seinen Triumph an», sagte sie am Montag in einer kurzen Stellungnahme vor der Presse.

Nach Auszählung von 91,63 Prozent der abgegebenen Stimmen kam Humala bei der Wahl vom Sonntag nach Angaben der zentralen Wahlkommission auf 51,48 Prozent, Fujimori auf 48,51 Prozent.

Unterdessen wurde der Handel an der Börse in Lima vorzeitig abgebrochen, nachdem der Leitindex um 12,51 Prozent abgestürzt war.

Fujimori gab sich ebenso wie schon zuvor Humala kooperativ. «Dies ist der Augenblick, um Brücken zu schlagen und den Dialog zu beginnen. Der eigentliche Sieger (der Wahl) muss Peru sein», fügte die Tochter des wegen Menschenrechtsverbrechen inhaftierten Ex- Präsidenten Alberto Fujimori (1990-2000) hinzu.

Der Handel an der Börse soll erst am Dienstag wiederaufgenommen werden, damit die Anleger ausreichend Zeit hätten, sich mit der Entwicklung in Peru vertraut zu machen und die richtigen Entscheidungen treffen zu können, teilte die Börsenleitung mit. Analysten erklärten den Absturz mit der Verunsicherung vieler Anleger durch den Wahlsieg Humalas.


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Peru muss zwischen zwei Übeln wählen (Politik, International, NZZ Online)

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5. Juni 2011, NZZ am Sonntag

Peru muss zwischen zwei Übeln wählen

Eine Diktatorentochter und ein linker Ex-Militär, der Zivilisten getötet haben soll: Es ist eine traurige Auswahl, die in Peru als Präsident zur Wahl steht.

Wolfgang Kunath, Lima

Die Peruaner wählen heute Sonntag ein neues Staatsoberhaupt. Der Urnengang dürfte die Demoskopen zur Verzweiflung treiben. Was sie für Keiko Fujimori, die Tochter des früheren Diktators Alberto Fujimori, und ihren Gegner, den gemässigt linken Nationalisten Ollanta Humala an Zustimmung ermittelt haben, hält sich die Waage. Die Unterschiede sind so klein, dass sie im statistischen Fehlerbereich liegen. Damit sind die Umfragen wertlos.

Favorit war lange der frühere Präsident Alejandro Toledo, ein liberaler Ökonom. Aber im ersten Wahlgang Anfang April wurde Toledo ebenso wie zwei andere bürgerliche Kandidaten geschlagen. Nun stehen sich für die Stichwahl die beiden Aussenseiter gegenüber. Bis auf ihre Anhänger scheint sich kaum jemand für einen der beiden Kandidaten zu begeistern, und trotzdem ist Peru polarisiert wie nie. So viel Hass und Diffamierung wie diesmal habe er noch nie in einem Wahlkampf erlebt, sagt Julio Cotler, ein renommierter Soziologe.

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Keiko Fujimori, 36, wurde als Jugendliche First Lady, nachdem ihre Mutter die Korruption ihres Ehemannes, Präsident Alberto Fujimori, publik gemacht hatte und deshalb kaltgestellt worden war. Keiko stand dem Vater stets zur Seite: als er 1992 das Parlament auflöste, als er die Justiz entmachtete, als er das Militär mit ins Boot nahm, als er im Kampf gegen die maoistischen Guerilla die übelsten Menschenrechtsverletzungen anordnete, deckte oder rechtfertigte, als sein Regime in Korruption versank.

Seit 2007 sitzt Alberto Fujimori, später zu 25 Jahren verurteilt, in Peru im Gefängnis. Kann man so naiv sein, anzunehmen, dass Keiko ohne ihren Papa Präsidentin werden will? «Ich schwöre bei Gott, dass ich Alberto Fujimori nicht begnadigen werde», gab sie zu Protokoll. Aber das glauben ihr nur 28 Prozent der Peruaner, viele andere werden hoffen, dass sie lügt. Denn ihr Vater war beliebt, weil er Geschenke verteilen liess. Dass Keiko heute von denselben dubiosen Figuren umgeben ist, die einst den Vater umschwirrten, macht sie freilich angreifbar.

Auch Ollanta Humala ist nicht jemand, den man begeistert wählen wollte. Der frühere Berufsoffizier hat Vorwürfe nie entkräften können, er habe vor 20 Jahren beim Anti-Guerilla-Einsatz schwere Übergriffe gegen die Bevölkerung begangen. Ein Putschversuch, mit dem Humala 2000 scheiterte, ist sicher durch sein Ziel – Alberto Fujimori – zu rechtfertigen. Dass er früher die Überlegenheit der braunen Rasse pries, kommt gut an bei seinen Anhängern im verarmten Süd-Peru.

Vor fünf Jahren präsentierte sich Humala als Linker, seine Nähe zum Venezolaner Hugo Chávez kostete ihn damals den Sieg. Diesmal hat er brasilianische Berater, die einen peruanischen Lula aus ihm zu machen versuchten: einen gemässigt linken Saubermann, der dem Kapital nichts tut und die Gunst der guten Konjunktur und der vollen Staatskassen nutzt, um Sozialprogramme für die Armen aufzulegen. Freilich reagieren viele Wähler misstrauisch, weil sein Kurs vor lauter Kurskorrekturen nun eher unklar geworden ist.


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Bolsa de Valores de Lima suspendida tras caída de 8,7% | El Comercio Perú

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Lima (EFE). La Bolsa de Valores de Lima fue suspendida hoy, a pocos minutos del inicio de operaciones, tras caer 8,71% como una reacción a la elección del nacionalista Ollanta Humala como presidente del Perú, informaron a Efe operadores locales.

El Índice General (IGBVL), principal indicador que mide el desempeño de las 36 empresas de mayor importancia en el parqué limeño, registraba un descenso de 1.848,9 enteros hasta alcanzar 19.378,78 puntos.

Sin embargo, y en previsión de que el mercado continúe bajando, la Bolsa de Valores de Lima decidió suspender la negociación hasta las 11:00 hora local (15.00 GMT) como medida de seguridad.

Las negociaciones en la plaza limeña “se suspendieron hasta las 11h00 locales (16h00 GMT) ante la brusca caída del índice General, principal indicador, con el fin de que los inversionistas se enteren bien lo que está pasando y puedan tomar mejores decisiones”, según un comunicado de la Bolsa de Valores limeña.

Hernando Pastor, de la casa de bolsa Kallpa Securities SAB, manifestó a Efe que los inversores viven momentos de pánico y el mercado solo espera que se den señales claras de que se va a continuar con el modelo económico.

Los sectores más perjudicados por la fuerte corriente vendedora fueron las mineras en etapa de exploración (-20,58%), industriales (-10,92%) y diversas actividades (-6,50%).

En el mercado solo se registraron 48 operaciones que sumaron un volumen de negocios de 590.715 nuevos soles, equivalentes a 213.795 dólares.

Peruanischer «Lula» gewinnt Präsidentenwahl (Politik, International, NZZ Online)

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6. Juni 2011, 16:59, NZZ Online

Peruanischer «Lula» gewinnt Präsidentenwahl

Ollanta Humala sticht Keiko Fujimori klar aus

Humala hält vor seinen Anhängern die Siegesrede nach seiner Wahl. (Bild: Keystone/ap)Zoom

Humala hält vor seinen Anhängern die Siegesrede nach seiner Wahl. (Bild: Keystone/ap)

Mit überraschend klarer Mehrheit hat der Linksnationalisten Ollanta Humala die Stichwahl um die Präsidentschaft in Peru für sich entschieden. Das Nachsehen hat die Konservative Keiko Fujimori. Humala möchte ein peruanischer «Lula» werden.

dpa Der Linksnationalist Ollanta Humala hat die Stichwahl um das peruanische Präsidentenamt nach offizieller Auszählung mit über 51 Prozent überraschend deutlich gewonnen. Seine rechtskonservative Widersacherin Keiko Fujimori kam demnach bei der Wahl vom Sonntag auf etwa 49 Prozent. Letzte Umfragen vor der Wahl hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt.

Brasilien als Vorbild

Peru dürfte damit vor einem erheblichen Wandel seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik stehen und sich statt der USA künftig eher Brasilien als Vorbild nehmen.

In seiner Siegesrede am frühen Montagmorgen versprach Humala eine kompromissbereite Regierung, die den Ausgleich mit allen politischen Kräften suchen werde. Angesichts von Vorwürfen, er stehe dem linksgerichteten venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez oder bestimmten wirtschaftlichen Gruppen nahe, betonte Humala seine Unabhängigkeit.

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«Ich bin nur dem Volk verpflichtet», betonte er vor Tausenden von jubelnden Anhängern in der Hauptstadt Lima. Er werde alles für die Umsetzung seiner Wahlversprechen für mehr soziale Gerechtigkeit, die Forcierung von Investitionen und eine verlässliche Wirtschaftspolitik tun, versprach der gewählte Staatschef. «Das wird nicht einfach, aber wir packen es an».

Seine konservative Rivalin Keiko Fujimori, Tochter des inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, kündigte an, sie werde ihre Niederlage bei der Wahl eingestehen, wolle aber die offiziellen Ergebnisse abwarten.

Nach Angaben der nationalen Wahlkommission kam der Ex-Militär nach Auszählung von knapp 90 Prozent der Stimmen auf 51,25 Prozent. Fujimori erhielt demnach 48,14 Prozent. Die noch nicht ausgezählten zehn Prozent stammen aus abgelegeneren Regionen, wo Humala höhere Stimmenanteile erhalten haben dürfte.

Entscheid der Mitte

Der Ausgang der Wahl wurde vor allem von Stimmen der politisch gemässigten Mitte entschieden. Deren Kandidaten waren in der ersten Runde am 10. April ausgeschieden, weil sie sich nicht auf eine gemeinsame Kandidatur einigen konnten. Amtsinhaber Alan García durfte laut Verfassung nicht für eine zweite Amtszeit in Folge antreten.

Da Humala über keine Mehrheit im Parlament verfügt, wird er voraussichtlich eine Politik punktueller Allianzen mit den Abgeordneten der drei politischen Gruppierungen der politischen Mitte betreiben müssen. Um diese Wähler für sich zu gewinnen, bemühte sich der frühere Oberstleutnant den Vorwurf zu entkräften, er stehe dem venezolanischen Präsidenten Chávez nahe. Stattdessen suchte er den Schulterschluss mit dem in Peru wesentlich populäreren Ex-Präsidenten Brasiliens, Luiz Inácio Lula da Silva.

Der neue Staatschef wird ein Land mit einem zwar kräftigen Wirtschaftswachstum von rund acht Prozent jährlich übernehmen. Zugleich muss er aber auch mit einer Armutsquote von 34 Prozent zurechtkommen. Humala propagiert zur Armutsbekämpfung einen «Wandel in Raten» hin zu einer stärker lenkenden Rolle des Staates in der Wirtschaft. Dagegen hatte Fujimori auf Stabilität gesetzt.


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