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Von Selbstkritik keine Spur (Politik, Schweiz, NZZ Online)

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Wer als Eigentümer hinter einem Medium stecke, sei nicht von Belang. Dass er und «Baz»-Chefredaktor Markus Somm in Basel kritisiert werden, schreibt Blocher einem «Verfolgungswahn» zu: «Es kommt mir vor wie damals, als man sagte ‹Kauft nicht bei Juden ein!›»

Atheisten müssen Pfarrerlöhne mitfinanzieren

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9. Dezember 2011, 12:00, NZZ Online

Atheisten müssen Pfarrerlöhne mitfinanzieren

Bundesrichter sehen keinen religiösen Zwang durch Kantonssteuern gegeben

Das Bundesgericht in Lausanne hat die Beschwerde einer Freidenkerin abgewiesen, die die Bezahlung der Pfarrerlöhne mittels der Kantonssteuer ablehnt.

(sda) Atheisten müssen sich damit abfinden, wenn mit ihren allgemeinen Kantonssteuern auch Pfarrerlöhne bezahlt werden. Laut Bundesgericht ist die Glaubens- und Gewissensfreiheit dadurch nicht verletzt. Die Richter in Lausanne haben die Beschwerde einer Bernerin abgewiesen.

Die Frau ist bereits 1991 aus der evangelisch-reformierten Landeskirche ausgetreten und zahlt seither keine Kirchensteuer mehr. 2006 verlangte sie, dass ihre allgemeine Kantonssteuer um den Anteil von 0,813 Prozent reduziert wird, den der Kanton Bern von seinem Gesamtbudget für Pfarrerlöhne ausgibt.

Bei Mittelverwendung frei

Dass sie als Freidenkerin das Salär der 445 Berner Pfarrer mittragen müsse, sei inakzeptabel und verletze ihre Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die kantonalen Instanzen gaben dem Begehren nicht statt. Das Bundesgericht hat die Beschwerde der Frau nun ebenfalls abgewiesen.

Laut Gericht ist es zwar verständlich, wenn sie als Atheistin nicht indirekt an die Besoldung der Pfarrer beitragen möchte. Wenn der Kanton Bern im Unterschied zu anderen Kantonen die Pfarrer selber besolde, ändere dies aber nichts daran, dass die Bezahlung der Kantonssteuer ihre Glaubens- und Gewissensfreiheit nicht verletze.

Von der Erhebung der allgemeinen Kantonssteuern gehe kein religiöser Zwang aus und die Verwendung der Steuererträge sei grundsätzlich nicht zweckgebunden. Die Steuerpflicht könne daher nicht mit Argumenten bestritten werden, welche die Verwendung der finanziellen Mittel durch den Staat betreffen würden.

Steuern auch für Waffen

Dass die Erfüllung öffentlicher Abgabepflichten nicht aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen abgelehnt werden könne, decke sich auch mit der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Strassburg.

So könne etwas die Zahlung von Steuern nicht unter Berufung auf Gewissengründe verweigert werden, weil 40 Prozent davon für Rüstungsgüter ausgegeben würden. Ebenso wenig sei es zulässig, Sozialversicherungsbeiträge nicht zu leisten, weil damit zum Teil Abtreibungen finanziert würden.

Angesichts des verschwindend kleinen Anteils von 0,8 Prozent des Gesamtbudgets und der Anzahl Steuerpflichtiger im Kanton Bern könne im übrigen nicht die Rede davon sein, dass die Betroffene mit ihren Steuern in einem auch nur ansatzweise feststellbaren Umfang an die finanzielle Unterstützung einer Religionsgemeinschaft beitrage.


© NZZ AG 2011 Alle Rechte vorbehalten

Which cities are the hidden gems of Switzerland?

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Which cities are the hidden gems of Switzerland?

Thierry Blancpain, I'm a born and bred Swiss.
I would say that in Switzerland, nature is the (not so hidden) gem. Of course there are some beautiful places like the view from Bellevue in Zurich (literally 'Beautiful View' in French)


or the Kapell bridge in Luzern.


But those are in every tourist guide and not hidden gems at all. Something of a hidden gem is the formerly industrial city of La Chaux-de-Fonds, the only Swiss city built on a grid. But the city itself is really boring and has very little to offer to a tourist.


On the other hand, look at something like the nature around Sils Maria in the alpine canton of Graubünden – near St. Moritz.


Or take a hike up Mount Rigi (even the hard route is only around 5 hours, and there's a cog railway going up, too)


My personal favorite is the area in the Lower Engadine, on the other end of the valley that St. Moritz is in, too. It's less touristy than St. Moritz / Sils Maria, and due to influences of Venetian architecture and bakery, there's some amazing experiences and sights to be had.




This is the town of Sent, a tiny alpine village at 1500m above sea level. The so-called Sgraffito are on all the old houses in the village and make it a beautiful trip. All the villages in the area have beautiful spots, but especially Guarda, Ardez, Ftan, Tarasp, and Sent are great. The Swiss national park is just around the corner, another great reason to check out this area. This is also one of the few areas where people still speak Romansh, the fourth and smallest official language of Switzerland. Only around 0.9% of Swiss citizens speak that language.
Thierry Blancpain
Makiko Itoh, lived in Switzerland on and off for 1...
I believe that the standard package tour circuit around Switzerland goes to Zürich, Luzern, maybe Bern, Interlaken, and maybe a bit around the Lac Leman area with Lausanne and Genève. So I am not sure you could call any of those cities 'hidden', even though each has its merits.

Of the major cities, I'd make an argument for Basel being a hidden gem. Few cities anywhere are as packed with terrific museums and art galleries covering all eras. There's also a great Altstadt (medieval old town), a very nice daily open market, and a lot more. It tends to be overshadowed by other cities and it shouldn't be.

Of the smaller cities, St. Gallen has a lot to offer with a wonderful baroque cathedral and abbey with a magnificent old library (Stiftsbibliothek), and it's the gateway to the Appenzell region, which is arguably the most traditionally quaintly-Swiss area of the country.

Montreux, which is about 20 minutes from Lausanne, is famous for its annual jazz festival and Chateau de Chillon, a medieval castle that was immortalized by Lord Byron. It's a Belle Epoque town on the shores of Lac Lemon (Lake Geneva), with a wonderful old-world-resort feel. Hillsides covered with vineyards are to the back of the town. It's also the gateway to the Gruyères region.

Locarno and Lugano are the 'big' cities in the Ticino (Italian Switzerland), and both are very nice, but smaller and less well known but historically a lot more important is Bellinzona. It has three imposing stone castles, which according to legend were built by the three original cantons of Switzerland (who eventually went on to form the alliance that created the Helvetic Confederation, or the nation of Switzerland), and spectacular scenery. (Not that spectacular scenery is unusual in Switerland...)

Martigny is littered with Roman ruins - it was a major outpost of the Roman Empire - and is also the gateway to the Valais region as well as the Grand St. Bernard pass to Italy.

There are lots of little towns and villages worth exploring too. Just one example that you have probably not heard of: St. Ursanne, in the Jura region, which looks like it never left the Middle Ages.



(Well most of the time there's no dragon. ^_^)

Still a lot of people will tell you that the towns are not the main attractions of Switzerland, and to get out and enjoy the spectacular scenery as fast as you can. I wouldn't necessarily argue against that.
Makiko Itoh
Danilo Bargen, Software Developer, Student at HSR, T...
I think Thun and Rapperswil are also two of the a little lesser known, but very beautiful and underrated cities.

Thun, BE

(20min from Berne by Train)



http://www.flickr.com/photos/mus...

Rapperswil, SG

(30min from Zurich by Train)



http://www.flickr.com/photos/bor...
http://www.flickr.com/photos/bor...
Danilo Bargen

Data roaming

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Cockpit by Swisscom to manage data roaming costs.

Präzisionsmechanik Neff AG :: CNC, Drehen und Fräsen in der Ostschweiz

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Wir sind ein junges dynamisches Team für Ihre termingerechte Fertigung von Präzisionsbauteilen. Aktuell: Am 27.12.2010 wurde unsere Dreherei durch eine weitere Maschine aus dem Hause Okuma verstärkt. Die neue LT-15 MY ist ein universelles Drehzenter mit 9-Achsen. Sie wird für die Komplettbearbeitung von komplexen Werkstücken, mit Haupt- und Gegenspindel, für Futter- und Wellenteile oder die Fertigung ab Stange bis Durchmesser 70 mm eingesetzt.

Volk soll bei Kampfjet-Kauf nicht mitreden - Schweiz: Standard - bazonline.ch

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Für eine grössere Armee und neue Kampfjets will die Sicherheitskommission des Nationalrats den Ausgabenplafond erhöhen. Damit würde eine Volksabstimmung umgangen.

Die Sicherheitskommission des Nationalrats und der Ständerat sind für einen sofortigen Ersatz: Kampfjet der Schweizer Luftwaffe beim Trainingsflug.

Die Sicherheitskommission des Nationalrats und der Ständerat sind für einen sofortigen Ersatz: Kampfjet der Schweizer Luftwaffe beim Trainingsflug.
Bild: Keystone

Der Bundesrat wollte eine Armee mit 80'000 Mann, neue Kampfjets sollen später beschafft werden. Die sicherheitspolitische Kommission (Sik) des Nationalrats folgt nun aber dem Ständerat: 100'000 Armee-Angehörige und eine sofortige Beschaffung von neuen Kampfjets.

Anders als der Ständerat lehnt die Sik des Nationalrats aber den Vorschlag des Bundesrats, eine Sonderfinanzierung für die Armeepläne, ab. Dies teilte sie nach ihrer Sitzung am Freitag mit. Die wiederkehrenden Ausgaben und die Investition in neue Kampfjets sollen über das ordentliche Budget getätigt werden, der Armee-Ausgabenplafond soll zu diesem Zweck von 4,4 auf 5 Milliarden Franken erhöht werden. Damit soll ein Referendum umgangen werden, der Kampfjetkauf käme nicht vors Volk.

«Mit faulen Tricks das Volk ausschalten»

Bei diesem Entscheid hat sich die bürgerliche Kommissionsmehrheit mit 17 zu 8 Stimmen gegen die Mitglieder von SP und Grüne durchgesetzt. Nationalrat Jo Lang (Grüne, ZG) ist gegen den Beschluss. «Die Finanzierung der Armeeausgaben und der Kampfjets ist mit diesen 5 Milliarden gar nicht möglich», sagt er. Und auch rein formell sei es nicht möglich, eine Volksabstimmung zu umgehen: «Die Erhöhung des Ausgabenplafonds muss vors Volk kommen.»

Chantal Galladé (SP/ZH) hält den Entscheid der Sik, auf dessen Basis der Bundesrat nun eine Finanzierungslösung erarbeiten muss, für skandalös: «Die bürgerliche Mehrheit will mit faulen Tricks das Volk ausschalten, weil dieses Kürzungen bei der Bildung und im öffentlichen Verkehr zugunsten von Kampffliegern nie akzeptieren würde.» Die Erhöhung des Ausgabenplafonds bedingt, dass das zusätzliche Geld in anderen Departementen eingespart wird.

«Mit ein wenig Geschick möglich»

Die Finanzierung über das ordentliche Armeebudget mache Sinn, sagt Walter Müller (FDP/SG) zu baz.ch/Newsnetz. Auf diese Weise gehe bei der Beschaffung von Kampfjets keine unnötige Zeit verloren. «Die Offerten stehen, der Euro ist jetzt tief. Eine Verzögerung, etwa durch eine Volksabstimmung, würde die Beschaffung von neuen Kampfjets zusätzlich verteuern.»

Der Finanzierungsvorschlag der Sik ist jedoch abenteuerlich. Mit den fünf Milliarden Franken sollen die wiederkehrenden Armeeausgaben, die neuen Kampfjets und die fehlende Ausrüstung beglichen werden. Dafür dürfte das Geld kaum reichen. Bruno Zuppiger (SVP, ZH) ist überzeugt, dass dies mit ein wenig Geschick möglich ist. «Für die Kampfjets könnte mit einer Sonderbotschaft zusätzliches Geld gesprochen werden. Ein solcher Bundesbeschluss wäre nicht referendumsfähig.» Auch müsste es laut Zuppiger möglich sein, mit Lieferanten zu verhandeln, um das Geld in Abschnitten zu bezahlen. (baz.ch/Newsnetz)

Erstellt: 26.08.2011, 15:20 Uhr

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Swiss Labyrinthe à Delémont

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Swiss Labyrinthe à Delémont

Swiss Labyrinthe 2011 : différent mais toujours aussi géant !!!

Le Swiss labyrinthe créé en 2010 a vu lors de sa première édition 15'000 visiteurs se perdrent dans le plus grand Labyrinthe de Suisse. Le dédale 2011 a été complètement redessiné. Il est divisé en un grand parcours et un petit parcours. Les plus courageux iront se perdre dans la totalité des 5km de dédales. Compter 2h00 de marche environ pour boucler les deux parcours.

Toujours plus d'animations et une mission à remplir!!
Le Swiss Labyrinthe vous lancera une mission lors de votre arrivée sur place. Vous allez vous transformer en aventurier et devoir accomplir un objectif. Tout au long du parcours vous allez découvrir des indices et devoir faire des choix stratégiques. Une bande dessinée va vous aider dans votre quête. Des rencontres pleines d'émotions avec les habitants de ce monde enchanté seront également au programme et ce durant toute la durée du Swiss Labyrinthe.

Prüfungen ohne Ende – und mit wenig Wirkung

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27. Juni 2011, 00:00, NZZ Online

Die Evaluationen in den Schulen drohen zu einem Ritual zu erstarren

Obwohl Schulevaluationen keine direkt messbaren Wirkungen erzielen, wird an den Schweizer Volksschulen je länger, je mehr evaluiert.
Gelernt wurde auch, als es noch keine Schulevaluationen gab: eine Primarklasse in Liestal, 1941.

Gelernt wurde auch, als es noch keine Schulevaluationen gab: eine Primarklasse in Liestal, 1941. (Bild: Keystone / Theodor Strübin)

Sabine Windlin

Spinnendiagramme, Kapitelüberschriften und Inhaltsverzeichnis lassen auf die Zertifizierung einer Bildungsinstitution auf Tertiärstufe schliessen, doch was hier auf über 100 Seiten zusammengefasst wird, sind die Evaluationsergebnisse einer Primarschule, konkret der Landschule in Greppen am Vierwaldstättersee. Das Schulhaus, an dem 12 Lehrer rund 100 Kinder unterrichten, steht direkt neben der Dorfkirche, ist umgeben von einem Spielterrain mit Wippe, Klettergerüst, Schaukeln, schattenspendenden Bäumen und einem kleinen Bächlein.


«Absolute Irrelevanz»

Die Landschule Greppen macht mit bescheidenen Mitteln gute Schule. Sie ist arm an Konflikten, aber reich an Informationen; an Informationen wie diesen: Im Bereich Lernkultur sind 25 Prozent der Lehrpersonen der Ansicht, dass Schwierigkeiten «gut erkannt» werden. – In der Begabungsförderung bewerten 17 Prozent der Eltern Veränderungen als «eher nicht nötig». – Im Bereich Methodenkompetenz sind 6 Prozent der Schüler der Ansicht, dass sie aus Fehlern «genügend» lernen. Beim Fussballspielen, so eine weitere Erkenntnis der Evaluatoren, könne es in Greppen «zu Unstimmigkeiten oder kleinen Streitereien» kommen.


«Was da ins Kraut schiesst», verschaffte sich ein mit Herzblut unterrichtender Lehrer unlängst in einem Rundschreiben zum Reizthema Evaluationen Luft, «ist für Lehrer und Schüler von absoluter Irrelevanz.» Seine Sorge, mit den pfundschweren Berichten würden finanzielle und personelle Ressourcen in Millionenhöhe verschleudert, die den Schulkindern in keiner Art und Weise zugutekämen, quittierten die Adressaten mehr resigniert denn entrüstet: Der Zug der Evaluation, so die vorherrschende Meinung in den Lehrergremien, sei in voller Fahrt und könne nicht mehr gestoppt werden.


Tatsache ist, dass manche kantonalen Fachstellen zunehmend Mühe bekunden, ihr Wirken gegen aussen zu legitimieren. Die Auflösung der Evaluations-Fachstelle wird per parlamentarischer Initiative zwar nur im Kanton Zürich gefordert, doch könnte das von einer CVP-Schulhausleiterin lancierte Begehren auch andernorts hellhörig machen. In 20 Kantonen hat die Evaluation der Volksschulen mittlerweile Fuss gefasst, in 16 davon flächendeckend. Allein in der Deutschschweiz haben die zuständigen – entweder bei den Bildungsdirektionen oder pädagogischen Hochschulen angesiedelten – Fachstellen bisher weit über tausend Schulen evaluiert. Kosten pro Evaluation: 20 000 bis 60 000 Franken. Mitarbeiterstab pro Fachstelle: 6 bis 10 Personen.


Unter Berücksichtigung kantonsspezifischer Unterschiede ist bei den Evaluationen etwa folgende Vorgehensweise auszumachen: Klärung des Evaluationsrahmens, Erstellung eines Schulportfolios, Planungssitzung der Hauptverantwortlichen, Information der Lehrer, Vorbefragung der Eltern, Einbezug der Schüler, Datenerhebung vor Ort mittels mündlich geführter Einzel- und Gruppeninterviews sowie Schulbesuchen und Sitzungsbeobachtungen, Datenaufbereitung, Datenanalyse, Validierungssitzung mit Rektorat, Schulpflege und Schulleitung, mündliche Berichterstattung vor dem Kollegium, schriftliche Berichterstattung mit Handlungsempfehlungen, Reflexion der Ergebnisse, Nachbefragung der Lehrpersonen, Formulierung eines Massnahmenplans.


Nebulöse Erkenntnisse

Ob nun in Glarus, Bern oder St. Gallen – meist klingen die «Handlungsempfehlungen», welche die Evaluatoren abgeben, ähnlich. Zum Beispiel: «Schulhausleiter und Lehrpersonen können den eingeschlagenen Kurs grundsätzlich fortsetzen.» Oder: «Zur Verfügung stehende Zeitgefässe sollten gewinnbringender eingesetzt werden.» Sowie: «Bei der internen Kommunikation ist eine Optimierung anzustreben.» Nach harten Fakten – zu grosse Klassen, zu wenig Platz, schlechte Stimmung, tiefes Leistungsniveau – sucht man vergeblich. Diese Aspekte, rechtfertigen sich die Fachstellen, seien nicht Forschungsgegenstand, sondern «die Schule als Ganzes mit ihren verschiedenen Prozessqualitäten».


Um Eltern, Lehrer, Schüler und Rektorate nicht zu brüskieren oder aus Angst, gegen das Datenschutzgesetz zu verstossen, bleibt der Inhalt meist nebulös. «Doch Berichte ohne jegliche Aussagekraft», so Anton Strittmatter vom Verband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH), «bringen die Schule kein Stück weiter. Die Evaluationen drohen zu einem unproduktiven Ritual zu erstarren.» Ohne zu wissen, was mit den Evaluationen bezweckt wird, bauen viele Kantone ihre Fachstellen weiter aus. Die Universität Bern bietet ab 2012 sogar einen auf Schulevaluationen ausgerichteten Weiterbildungskurs an.


Es ist das Schwammige und Unkonkrete, das nun politische Kreise am Sinn der Sache zweifeln lässt. Doch auch auf Lehrer, die tagtäglich mit den Herausforderungen in Schulzimmer und Klassenverband konfrontiert sind, machen die hochtrabenden Formulierungen wenig Eindruck. Manche fühlen sich durch die aufwendig inszenierten Evaluationen verschaukelt und sehen diese vorab als Folge einer aufgeblähten Bildungsverwaltung. Im Kanton Schwyz überlegt sich ein Teil der Lehrerschaft ernsthaft, die Umfragen zu boykottieren. Andernorts ist die Haltung der Lehrerschaft ambivalent. Wird sie damit behelligt, stellt sie den Nutzen in Zweifel und jammert über die vertrödelte Zeit, wird sie nicht einbezogen, ist sie beleidigt.


Es ist nicht klar, welche Rolle die Fachstellen überhaupt einnehmen. Sehen sie sich als Partnerin der Schule oder als vom Kanton eingesetztes Kontrollorgan? «Beides gleichzeitig können sie nicht sein», meint Strittmatter. Zudem: Sind die Empfehlungen in den Berichten verbindlich oder einfach nur als Anregung zu verstehen? Ob schliesslich Massnahmen auch umgesetzt werden, entzieht sich nämlich oftmals der Kenntnis der Evaluatoren. Denn bis die Nachfolgeevaluation einsetzt – meist verstreichen vier bis sechs Jahre –, sieht die personelle Zusammensetzung des involvierten Schulpersonals oft völlig anders aus, und niemand fühlt sich mehr zuständig für die damals formulierten «Optimierungsempfehlungen».


Auf den Vorwurf, die Evaluationen würden nichts Neues, nichts Relevantes, geschweige denn Überraschendes zutage fördern, reagieren die zuständigen Fachstellen gelassen. Es gehe, heisst es etwa in Luzern, gar nicht darum, Missstände aufzudecken, sondern «Vorhandenes zu offizialisieren». Andernorts entsteht der Eindruck, die Verantwortlichen selber stünden nicht wirklich hinter dem Vorhaben. Mit dem Verweis auf wissenschaftliche Methoden nehmen sich die Ämter aus der Pflicht. Die kantonalen Bildungsdirektionen wiederum verweisen auf die kantonalen Volksschulgesetze, die Evaluationen nahelegen oder gar vorschreiben, um etwa «Funktionsstörungen innerhalb des Wirkungsfeldes Schule zu ermitteln» (Aargau) oder «Steuerungswissen für Behörden zu beschaffen» (Thurgau).


Niemand kann sagen, wie sich im Schulhaus Greppen der Veränderungsbedarf im Bereich Methodenkompetenz seit der letzten Erhebung entwickelt hat. Aber sicher – wenn auch nicht wissenschaftlich erhärtet – ist: Beim Fussball geraten sich die Jungs immer noch gelegentlich in die Haare.

 

Die Schweiz steigt aus der Atomenergie aus

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25. Mai 2011, 16:30, NZZ Online

Die Schweiz steigt aus der Atomenergie aus

Bestehende Kernkraftwerke werden zwischen 2019 und 2034 vom Netz genommen

2029 soll das AKW Gösgen stillgelegt werden. (Bild: Key/Martin Ruetschi)

2029 soll das AKW Gösgen stillgelegt werden. (Bild: Key/Martin Ruetschi)

In der Schweiz werden keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut. Die bestehenden AKW werden am Ende ihrer Betriebszeit vom Netz genommen. Bis dahin sollen die Energieversorger ihre Investitionen vermehrt in erneuerbare Energien umleiten.

(tsf./sda) Die Schweiz will aus der Atomenergie aussteigen. So hat es der Bundesrat in einer vierstündigen Sitzung am Mittwoch beschlossen. Energieministerin Doris Leuthard sprach von einem «historischen Tag» für die Schweiz. Die Landesregierung habe entschieden, dass die bestehenden Atomkraftwerke am Ende ihrer Betriebsdauer nicht ersetzt würden. Sämtliche Entscheidungsgrundlagen der Landesregierung sind per Internet zugänglich.

Der Bundesrat geht gemäss den Medienunterlagen für den Ausstieg von einer Betriebsdauer von 50 Jahren aus. Das erste AKW müsste demnach 2019 vom Netz, das letzte 2034. Im Jahr 2019 soll Beznau I abgeschaltet werden. Beznau II und Mühleberg sollen 2022 folgen, Gösgen 2029 und Leibstadt 2034.

Zeitplan nicht in Stein gemeisselt

Bundesrätin Leuthard relativierte diesen Zeitplan vor den Medien: «Die bestehende Reaktoren laufen so lange, wie sie sicher sind», sagte sie. Für den Ausstieg gebe es «keine fixe Jahreszahl, kein Datum», hielt sie fest. Es gebe auch keine fixe Lebensdauer für die Kernanlagen. Hypothetisch nehme der Bundesrat eine Lebensdauer der AKW von 50 Jahren an. Das würde bedeuten, dass das letzte AKW 2034 vom Netz ginge.

AKWs in der Schweiz. (Bild: Stepmap)

AKWs in der Schweiz. (Bild: Stepmap)

Wenn es die Sicherheit erfordere, könne die Lebensdauer für ein AKW aber auch unter 50 Jahren liegen. «Es können aber auch 60 Jahre sein», erklärte sie. Nicht die Politik soll über die Lebensdauer entscheiden, sondern die Sicherheit. Niemand könne heute sagen, wie lange die Anlagen sicher betrieben werden könnten.

«Eine saubere, sichere, autonome und wirtschaftliche Energieversorgung ist weiterhin das Ziel», erklärte Bundesrätin Doris Leuthard an der Medienkonferenz. Derzeit stammen 40 Prozent des Stroms aus AKW, 56 Prozent aus Wasserkraft. 1 Prozent stammt aus erneuerbarer Energie.

Risiken und Kosten neu beurteilt

Nach dem GAU von Fukushima müsse das Restrisiko neu beurteilt werden, gerade für eine dicht bevölkertes Land wie die Schweiz, hielt Leuthard fest. Wichtig sei aber auch die ökonomische Seite. Die Kernenergie sei in den letzten Jahren immer teurer geworden. Grund seien die zunehmenden Kosten für Sicherheit, Stilllegung und Entsorgung. Gleichzeitig seien am Markt die erneuerbaren Energien günstiger und effizienter geworden. So näherten sich die Preise an. Damit falle auch der ökonomische Vorteil der AKW weg.

Der Bundesrat sei überzeugt, dass ein schrittweiser Ausstieg der richtige Schritt sei. Für eine vorzeitige Stilllegung sehe der Bundesrat keinen Anlass, sagte die Energieministerin. Die Überprüfungen hätten ergeben, dass der sichere Betrieb der Schweizer Kernkraftwerke zurzeit gewährleistet sei.

Mit einem etappierten Ausstieg aus der Kernenergie steht nach Ansicht des Bundesrates die erforderliche Zeit für die Umsetzung der neuen Energiepolitik und den Umbau des Energiesystems zur Verfügung.

Wirtschaftlich verkraftbar

Der Ausstieg ist aus Sicht des Bundesrates «technisch möglich und wirtschaftlich verkraftbar». Die volkswirtschaftlichen Kosten für den Umbau und für Massnahmen zur Reduktion der Stromnachfrage belaufen sich nach ersten Berechnungen des Bundes auf 0,4 bis 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Wie der Bundesrat in seinen Medieninformationen schreibt, lässt er prüfen, ob er für den auf 2 bis 4 Milliarden Franken veranschlagten Umbau der Stromversorgung eine Förderabgabe beziehungsweise einen Stromrappen einführen will. Konkrete Vorschläge dazu will der Bundesrat im Herbst vorlegen.

Die Regierung setzt als Ersatz für die AKW auf einen Mix aus zahlreichen Massnahmen. An erster Stelle steht laut Leuthard ein Ausbau der Wasserkraft. Entscheidend seien Pumpspeicherwerke zur Abdeckung der Schwankungen des Konsums und der anderen Energieträger.

Stromsparen, verbesserte Effizienz und vor allem ein Effort bei den erneuerbaren Energien seien ebenfalls wichtige Bestandteile der künftigen Energiepolitik. Eine ökologische Steuerreform will der Bundesrat erst prüfen lassen.

Gaskombi-Kraftwerke nicht prioritär

Wenn dies nicht ausreiche, müsse die Schweiz auf fossile Stromproduktion wie Gaskombi-Kraftwerke ausweichen. Sie seien aufgrund des CO2-Ausstosses aber keinesfalls die erste Wahl. Eine bessere Alternative zu den Gaskombi-Kraftwerken sei die Stromproduktion durch Wärmekraftkopplung, sage Leuthard. Obwohl ein Ausweichen auf fossile Energieträger nicht auszuschliessen sei, wolle der Bundesrat an den klimapolitischen Zielen festhalten, heisst es in den Medienunterlagen.

«Es geht nicht zum Nulltarif», sagte Leuthard zu den Auswirkungen auf die Gesellschaft und Wirtschaft. Der Ausstieg habe eben seinen Preis, sagte sie und wies auf die Kosten und den entscheidend veränderten Strommix hin. Er biete dem Land aber auch grosse Chancen. Sie sei aber überzeugt, dass sich der Weg des Bundesrates langfristig lohne. Es würden neue Arbeitsplätze geschaffen und die Schweiz könne sich international gut in Position bringen.

Damit die Stromversorgung mit diesem Strommix überhaupt funktionieren kann, will der Bundesrat die Stromnetze ausbauen. Dazu brauche es sogenannte intelligente Netze, die eine Optimierung des Stromsystems ermöglichten. Das Schweizer Netz müsse dazu optimal an das europäische Netz sowie an das künftige europäische «Supergrid» angebunden werden.

Sparen, sparen, sparen

Gemäss der bundesrätlichen Ausstiegsstrategie muss die Schweiz in den nächsten Jahren vor allem auch Strom sparen. Laut heutigen Prognosen steigt die Stromnachfrage bis ins Jahr 2050 auf jährlich rund 90 Milliarden Kilowattstunden (2010: rund 60 Mrd. kWh). 

Der Bundesrat will diesen Trend mittels Effizienzmassnahmen brechen. Ziel sei, den Stromverbrauch einigermassen zu stabilisieren, sagte Energieministerin Doris Leuthard vor den Medien in Bern. Der Bundesrat möchte dazu unter anderem die Mindestanforderungen für Geräte verschärfen, Bonus-Malus-Mechanismen einführen sowie die Informationskampagnen der Energie-Sparagentur Energie-Schweiz ausbauen.

Noch dieses Jahr strebt der Bundesrat in diesem Zusammenhang den Abschluss der Strom-Verhandlungen mit der EU an. Ausserdem soll die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern ausgebaut werden.

Forschung intensivieren

Zur Unterstützung des Umbaus des Energiesystems will die Regierung auch die Energieforschung verstärken. Dazu sollen die Aktivitäten der Eidgenössischen Technischen Hochschulen und der Fachhochschulen überprüft sowie die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und Verwaltung verstärkt werden. Für Pilot- und Demonstrationsanlagen will der Bund die nötigen Mittel zur Verfügung stellen.

Ganz allgemein soll die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen. Bund, Kantone, Städte und Gemeinden sollen ihren Eigenbedarf an Strom und Wärme weitgehend durch erneuerbare Energien decken. Auch die Wirtschaft wird aufgefordert, Massnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs zu treffen.

Bedenken der Wirtschaft

Zuletzt hatten vor allem Wirtschaftsverbände Bedenken wegen einer möglichen Energieknappheit und stark steigender Stromkosten angemeldet, sollte es zu einem überhasteten Atomausstieg kommen.


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Resozialisiert und ausgeschafft

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27. April 2011, 00:00, NZZ Online

Resozialisiert und ausgeschafft

Beispiele junger Ausländer im Massnahmenvollzug


Bestimmte junge Straftäter werden in speziellen Einrichtungen auf ein selbstverantwortliches und straffreies Leben vorbereitet. Ausländer müssen dann aber die Schweiz oft verlassen. Nach Umsetzung der Ausschaffungsinitiative wird dies noch häufiger sein.
 

Schreinerlehre im Arxhof (Baselland), einem der Zentren für sozialtherapeutische Massnahmen

Schreinerlehre im Arxhof (Baselland), einem der Zentren für sozialtherapeutische Massnahmen. (Bild: G. Bally)


Marianne von Arx-Wegner


Es gibt in der Schweiz drei Massnahmenzentren für straffällig gewordene junge Männer, in denen sie während ihres oft Jahre dauernden Freiheitsentzugs pädagogisch und therapeutisch begleitet werden. Sie können eine Lehre durchlaufen bis zur eidgenössischen Abschlussprüfung. Das Ziel ist eine Eingliederung in unsere Gesellschaft. Für viele Ausländer jedoch, selbst wenn sie hier geboren sind, ist die Perspektive vollkommen anders, denn sie müssen, am Ziel angelangt, in ihre Heimatländer zurückkehren, die sie manchmal gar nicht kennen. Sie haben zwar ihre Schuld gesühnt, genau wie Schweizer, die dieselben Delikte begingen, aber im Gegensatz zu diesen wartet eine neue «Strafe» auf sie: die Ausschaffung. Familienangehörige, Freunde lassen sie hier zurück; oder wie es ein Betroffener formuliert: «Ein wichtiger Teil unseres Lebens bleibt in der Schweiz.»


5,9 für «Junge Kriminelle»

Die Massnahmenzentren haben ihre eigenen Programme. So verfügt zum Beispiel der Arxhof in Niederdorf (Baselland) über keine geschlossene Abteilung. Des Weiteren erwirtschaftet Kalchrain in Hüttwilen (Thurgau) stattliche Einnahmen dadurch, dass der Produktion grosse Bedeutung zukommt. In Kalchrain werden prinzipiell keine Interviews mit Insassen gewährt. Hingegen gab es Gelegenheit, mit jungen Männern, die den Wegweisungsentscheid erhalten hatten, in Uitikon bei Zürich und im Arxhof zu sprechen.


Das Massnahmenzentrum Uitikon nimmt Klienten – so werden sie genannt – von 17 bis 25 Jahren auf. Gegenwärtig sind 40 hier, auf die 67 Personalstellen kommen. Nach dem bereits begonnenen Umbau sollen 64 Plätze für Eingewiesene zur Verfügung stehen. Ein Kolumbianer hatte vier Tage vor einer wichtigen Prüfung (demnächst wird er seine Schreinerlehre beenden) den Ausschaffungsbescheid erhalten, was ihn so irritierte, dass er die gestellten Aufgaben fast nicht zu lösen imstande war.


An der Baugewerblichen Berufsschule Zürich gab er eine 31-seitige Vertiefungsarbeit ab – «Junge ausländische Kriminelle» –, für die er die Note 5,9 erhielt. «So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt sein Lehrmeister in Uitikon, Markus Roffler. In der Tat: Der junge Kolumbianer hatte viel und gründlich recherchiert, auf Ämtern Interviews geführt, den Direktor des Massnahmenzentrums lange befragt, Ausgeschaffte telefonisch kontaktiert, Delikte unter die Lupe genommen, die Drogensucht zu erläutern versucht.


Vom Verfluchen zum Lob

Er selbst war als 17-jähriger in die Schweiz gekommen, konnte hier aber weder die Schule besuchen noch arbeiten. Er griff zu Drogen, «nach allem, was Sie sich vorstellen können», verwickelte sich in Schlägereien, verletzte drei Personen zwischen 30 und 40 Jahren. Er wurde verurteilt, kennt die isolierte Untersuchungshaft, hat Gefangene beobachtet, die «durchdrehten». Während der vierjährigen Massnahme kam er zuerst in die geschlossene Abteilung, aber auch in der offenen fühlte er sich gefangen. Er versuchte zu fliehen. Insgesamt verbrachte er deswegen 40 Tage im «Bunker», dessen einziges Fenster undurchsichtig ist, war immer allein und durfte sich mit nichts beschäftigen. Bei seinem ersten Aufenthalt im «Bunker» war er 19 Jahre alt gewesen. Er findet diese Art von Strafe schlecht für die Psyche; wieder in der Gruppe, habe er sich nur sehr schwer integrieren können, er sei voller Wut gewesen.


Aber er hat auch lobende Worte für Uitikon: «Ich konnte aus acht Berufen einen auswählen und meine Lehre machen. Manchmal verfluchte ich das Massnahmenzentrum, aber heute weiss ich, dass mir hier geholfen wurde. Nicht jedes Land ermöglicht einem Jugendlichen, sein Leben zu stabilisieren.»


Wie sieht er seine Zukunft? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Er will gegen die Ausschaffung kämpfen. Wenn er doch nach Kolumbien zurückkehren muss, will er versuchen, eine Firma für Abdichtungen aufzubauen. Das würde er auch in der Schweiz gern tun. Das Leben in Kolumbien – einem schönen, geografisch abwechslungsreichen Land, wie er sagt – ist sehr hart. «Dort sehen Sie dreijährige Kinder verlassen auf der Strasse vegetieren. Die Kriminalität ist enorm.»


Rückfälle

Rund die Hälfte der Entlassenen delinquiert erneut – oder: Rund die Hälfte delinquiert nicht mehr, und von denjenigen, die schwere Straftaten begangen haben, werden noch 16 Prozent rückfällig. Die meisten Wiederholungstäter haben kurze Freiheitsentzüge hinter sich, wegen Diebstählen, Verkehrssünden und ähnlicher Vergehen. Der Direktor des Zentrums Uitikon, Michael Rubertus, hofft, die jungen Männer im Massnahmenvollzug gelangten zur Einsicht, dass Gesetze unabänderliche Realität bleiben. Nur schon wer mit dem Auto wenige Kilometer zu schnell fahre, könne sich nicht herausreden, er sei in Eile gewesen oder habe die Tafel übersehen.


Im Interview mit dem Kolumbianer für dessen schriftliche Arbeit sagte der Direktor: «Zwischen Justizvollzug und Migrationsamt gibt es lediglich einen Austausch von Informationen und Berichten je nach Bedarf, aber keine eigentliche Zusammenarbeit. Es wird nicht miteinander besprochen, ob jemand ausgeschafft werden soll oder nicht. Es sind zwei getrennte Bereiche in unterschiedlichen Direktionen.» Und weiter: «Seit etwa einem Jahr ist es Praxis in Zürich, dass ein Ausländer, der vom Gericht neben der Massnahme im Massnahmenzentrum Uitikon mehr als eine einjährige Strafe bekommen hat, aus dem Land ausreisen muss.» Er selbst, erklärt Rubertus, habe schwierige junge Menschen gern.


Opfer und Pascha

Im Arxhof empfängt uns ein 20-jähriger Kurde. Er ist hier, weil er bei einer Schlägerei jemanden mit dem Messer an den Beinen verletzte. Die Wegweisung droht auch ihm. Die Aussicht, dass er in der Türkei ins Militär eingezogen würde und vielleicht auch gegen Kurden kämpfen müsste, belastet ihn. Sonst habe er keine Probleme mit den Türken. Seine Lehre als Maler ist abgeschlossen. Er meint, eigentlich hätte er lieber einen anderen Beruf ergriffen, aber es sei ihm keine Wahl geblieben. So wie er es schildert, leidet er seit seiner Kindheit unter Familienproblemen. Der Vater schlug die Mutter, und der Sohn war immer auf der Seite der Mutter, wollte sie beschützen. Hier habe der Vater eine Schweizerin geheiratet und seinen Sohn und seine Tochter zu sich genommen. Die Frau habe ihn, den Sohn, gezwungen, Schweinefleisch zu essen. Als der Vater die Tochter verloben wollte, flüchtete sie.


Mit seiner mittlerweile auch in der Schweiz lebenden Mutter und der Schwester ist der junge Kurde sehr verbunden. Von den Fachleuten im Arxhof fühlt er sich manchmal ungerecht behandelt. «Sie wollen Macht ausüben, vor allem die jungen. Die Psychologen sagen dir, wer und was und wie du bist, aber der Mensch kennt sich doch selber seit seiner Geburt am besten.» Als korrekt bezeichnet er den Direktor des Zentrums, Renato Rossi. Von erzieherischer Seite ist später zu vernehmen, er sei von Mutter und Schwester immer als Pascha verwöhnt worden und schwierig zu führen.


«So viel Geld . . .»

Die Familie eines weiteren 23-jährigen Mannes im Arxhof, der ausgeschafft werden soll, stammt aus Kosovo, er selber wurde aber in der Schweiz geboren. Bis zur neunten Klasse besuchte er die Schule. Sechs bis sieben Jahre lang konsumierte er Haschisch, seit zweieinhalb Jahren aber überhaupt nicht mehr. Auch wenn er «draussen» ist und Kollegen ihre Joints rauchen, empfindet er keinerlei Bedürfnis danach. Er delinquierte mehrfach, ist in Schlägereien geraten, hat sich des Diebstahls schuldig gemacht und Verkehrsregeln missachtet. Seine Mutter versuchte immer, ihn davon abzuhalten, ermahnte ihn, sprach Verbote aus – er hörte nicht auf sie, was er heute bereut.


Anderthalb Jahre verbrachte er im Gefängnis, zeitweise im halboffenen Vollzug. Im Massnahmenzentrum macht er eine Lehre als Forstwart, die bald beendet sein wird. Sie gefällt ihm. Er liebt die Natur. Forstwart sei ein guter, jedoch auch gefährlicher Beruf. Laien seien bei Arbeiten im Wald schon zu Tode gekommen, nach dem Orkan «Lothar» zum Beispiel. Für den Fall, dass er unweigerlich nach Kosovo ausgewiesen wird, hat er vorgesorgt, provisorisch eine Wohnung in Pristina gemietet. Von seiner Freundin, einer Russin, die in Deutschland wohnt, werde er sich dann wohl trennen müssen.


Der Kosovare ist der Ansicht, es gefalle niemandem wirklich im Arxhof. Der Strukturen, Reglementierungen und Verbote gebe es zu viele, die Bewohner hätten wenig Mitspracherecht. Aber das Positive überwiege. Das Erlernte sei wertvoll. Wer wolle, könne – wieder in Freiheit – ein normales Leben führen. «So viel Geld hat der Staat für mich ausgegeben, und jetzt kann ich nicht in der Schweiz bleiben, mich nicht erkenntlich zeigen durch meine Facharbeit.» Laut Direktor Rossi kostet ein Insasse mehr als 600 Franken im Tag.


Junge Menschen schreiten von Phase zu Phase, verändern sich schneller als ältere. Oft positiv. Wird das bei den Ausschaffungen wirklich in Betracht gezogen?


Massnahmen und Wegweisung

C. W. ⋅ Straftäter, die noch nicht 25-jährig sind, können von einem Gericht in eine Einrichtung für junge Erwachsene eingewiesen werden, wenn die Tat mit einer Störung der Persönlichkeitsentwicklung zusammenhängt und zu erwarten ist, dass mit der Massnahme der Gefahr weiterer Delikte begegnet werden kann. In den Einrichtungen (sie ersetzen die früheren Arbeitserziehungsanstalten) soll insbesondere die berufliche Aus- und Weiterbildung gefördert werden. Diese Massnahmen sind zu unterscheiden von den therapeutischen Massnahmen im Strafrecht und von den Schutzmassnahmen im Jugendstrafrecht. Der Vollzug geht dem einer allfälligen Freiheitsstrafe voraus; ein Freiheitsentzug im Rahmen einer Massnahme wird der Haft angerechnet.


Im Fall von Ausländern besteht eine Spannung zwischen den Bemühungen zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft und der möglichen Wegweisung aus der Schweiz. Die Ausschaffungsinitiative, die vom Volk angenommen wurde und gegenwärtig von einer Arbeitsgruppe in Gesetzesvorschläge umgesetzt wird, dürfte vermehrt zu solchen widersprüchlichen Situationen führen; sie berührt dieses System an sich aber nicht. Auch kann der Straf- und Massnahmenvollzug auf die Reintegration im Herkunftsland ausgerichtet werden.

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